Corsica Race Days 2004

UUUPS


blasen

oder "wenn einer eine Reise tut..."

Vorab: es gab keine schweren Verletzungen - zumindest keine physischen ;-)
Die psychischen Schäden wurden abends mit entsprechenden Mengen an Flüssig-Nahrung kuriert, oder doch zumindest die Schmerzen gelindert.


Nachtrag: Nachdem wir nun mittlerweile 3 Wochen zurück sind und die Schwellung an Holgers rechtem Haxen immer noch nicht besser wurde hat der Onkel Doc beschlossen, daß er Holgers Bein doch lieber mal aufschneiden und reinschauen möchte.
Hey Holger, halt die Ohren steif, wir machen unsere Rechner doch auch immer erst mal auf um zu gucken was drin ist und mit unseren schmutzigen Griffeln drin rumzufummeln. Das macht der Doc eben auch gerne mal. Das nennt man wissenschaftliche Neugier.

Prost

Prosit
links: Andreas, mitte: Stefan, rechts: Ebse


Aber fangen wir von vorne an:

Irgendwann haben wir (Andreas (Monster), Ebse (VTR 1000), Holger (Speed Triple), Klaus (DR), Matze (GPZ) und Stefan (Kuh)) beschlossen, daß es doch ganz lustig sein könnte eine Motorradtour auf Korsika zu unternehmen. Alle bis auf Stefan kommen aus dem Ulmer Raum, Stefan lebt in der Nähe von Kiel so, daß ihm zweifellos der Pokal für die längste Anreise (dazu später mehr) zusteht.
Ebse meinte zwar er würde nie wieder auf Korsika fahren weil er beim letzten Mal schon auf den Pinsel geflogen sei, aber er ließ sich dann doch recht einfach überzeugen.
Wir haben also im Frühjahr beschlossen, daß wir im Herbst auf Korsika fahren. Holger hat die Rennleitung übernommen und für alle die Fähre von Savona nach Bastia gebucht. Auf dem Hinweg über Nacht von Sonntag auf Montag und zurück am Samstag-Morgen so gegen 7 Uhr. Also 5 Tage Korsika.
So eine Reise will ja vorbereitet sein; es mussten verschiedene Reifen erneuert werden und Ebses VTR hat ein neues Lenkkopflager bekommen. Mit den Reifen ging das Theater schon los, zumindest bei Stefans Kuh. Die Kuh musste ohnehin zum BMW-Schrauber weil 2 Rückrufe offen waren, dabei sollte auch gleich der Hinterreifen erneuert werden. Leider hat der Schrauber den falschen Reifen bestellt und montiert so, daß Stefan 2 Tage vor der Abreise ohne passenden Hinterreifen dastand. In Norddeutschland war der Reifen nicht mehr rechtzeitig zu bekommen. Geholfen hat dann der Internetshop MyNetMoto der die, am Sonntag Nachmittag, bestellten Reifen am Mittwoch morgen zum, in Stuttgart geplanten, Zwischenstop geliefert hat. Danke!

Die Anreise:

Stefan hatte geplant den Weg von Kiel bis Ulm mit dem Auto und der Kuh auf dem Anhänger durchzuführen. Also am Mittwoch Abend den Anhänger vom Verleiher geholt und alles aufgeladen. Am Donnerstag früh sollte die erste Etappe von Kiel in den Stuttgarter Raum zum Zwischenstop stattfinden. Am Donnerstag regnete es und Stefan stieg, sich über die perfekte Planung freuend, ins Auto. Oder besser gesagt, er wollte steigen. Die Autotür ging nicht auf. Zumindest nicht mit der Fernbedienung. Böses ahnend verschaffte Stefan sich Zugang zum Auto um festzustellen, daß die Batterie leer war. Sollte die am Abend beim Abholen des Anhängers kurzzeitig aufleuchtende Ladekontrollleuchte doch eine Bedeutung gehabt haben? Die anschließende Starthilfe machte die Ahnung zur Gewissheit: beim Abklemmen des Starthilfekabels ging der Opel sofort wieder aus, also Lichtmaschine im Eimer. Die Tatsache, daß die Ladekontrollleuchte wieder ausgegangen war deutete lediglich darauf hin, daß sie aufgrund der Überspannung der Lichtmaschine durchgebrannt war.
Übrigens: Falls sich noch mehr Leute über die Qualität eines Opels ärgern, geht 'mal zum Opel-Problemforum und seht, daß es noch viel schlimmer geht.

Nachtrag:
Hey Leute, wenn Ihr Eurer Geld zum Fenster rauswerfen wollt, dann kauft Ersatzteile bei Opel. 485,-- € für eine recycelte Lichtmaschine! Bei D&W repair gibts die für 150,28 €. Mittwoch Abends bestellt, Freitag nachmittags da.

Nun gut, dann muß die Kuh eben selber fahren. Alles wieder abgeladen, die Kuh bepackt und los. Nach 8 Stunden Autobahn war die erste Etappe für Stefan geschafft. Am Freitag noch schnell die Räder der Kuh abgebaut und mit den gelieferten Reifen zum nächsten Reifenhändler, die Reifen montieren lassen. Vielen Dank an das Reifenhaus Reber in Murr die die mitgebrachten Reifen schnell und für kleines Geld sorgfältig montiert haben.
Am Samstag früh um 11 Uhr haben wir uns alle in Ulm zu einer ersten Lagebesprechung getroffen und vereinbart, daß wir uns Sonntag früh um 8 Uhr treffen und um 9 Uhr losfahren.
Nachdem Ebse den ganzen Samstag über immer wieder betont hat, daß er noch packen muß, hat er kurz nach Sonnenuntergang tatsächlich damit angefangen und war schon nach 3 Stunden fertig. Stefan hat währenddessen Ebses Biervorräte dezimiert (wobei auch Ebse nicht durstig geblieben ist).
Sonntags um 7 aufstehen ist Käse, wir haben es dennoch geschafft uns schon um 20 nach 8 - fast wie geplant - zu treffen. Das heißt, nicht alle; für Klaus war es wohl zu schwierig ca. 8 Stunden vor seiner normalen Aufstehzeit aus den Federn zu kommen. Klaus kam dann doch schon gegen 9, so daß wir uns nach einigen weiteren Kaffees langsam auf den Weg machen konnten.

Sammeln zur Abfahrt


Die Route ging auf die A7 und über Wangen 'runter nach Lindau. Dann nach Bregenz und weiter über die Schweizer Autobahn (natürlich nicht ohne den Wegezoll zu entrichten, 40 Schweizer Fränkli pro Mopped) Richtung Chur. Um halb zwölf war Mittagessen angesagt.



Da es bislang super lief haben wir beschlossen statt durch den St. Bernadino Tunnel über den Splügen-Pass zu fahren. Also runter von der Autobahn und den Splügen rauf.
Oben gabs die wohlverdiente Kaffeepause mit echtem italienischem Kaffee.

oben auf dem Splügen
von links: Andreas, Stefan, Klaus, Matze, Holger


Mittlerweile war es halb zwei und da die Fähre Savona um 23 Uhr verlassen sollte mussten wir weiter. Das Moppedknäuel entwirren und los den Splügen wieder runter.
Achtet auf die unschuldigen Augen der Triple, so sollte sie nie wieder schauen.

Moppedknäuel


Auf halber Strecke abwärts schepperte es plötzlich und Holger lag auf der Straße, die Triple hatte sich über ihn geworfen. Daß er noch lebte war leicht an den taktischen Zeichen zu erkennen die er von sich gab. Er signalisierte, daß die ihm Dame zu schwer wurde und wir sie doch bitte von ihm herunterheben sollten. Offensichtlich aus Solidarität hatte Klaus die DR gleich noch dazugelegt. Ein italienisches Paar im Auto hat sofort angehalten und uns beim aufsammeln geholfen.
Die Schadensaufnahme ergab Prellungen an Holgers rechtem Bein, einen verbogenen Lenker, eine gebrochene rechte Fußraste und einige Kratzer am Lichtmaschinen- und Kupplungs-Deckel der Triple und ein wenig ausgelaufenes Benzin an der DR. An der DR war weiter nichts zu sehen was wahrscheinlich daran lag, daß sie vorher schon ziemlich verratzt war.
Holger entschied, daß er weiterfahren kann, so sind wir dann zum Comer See runter geschwuchtelt. Dort war erst 'mal ausziehen angesagt, es hatte ca. 25°C.

AusziehenAusziehen


Inzwischen war es halb drei und wir mussten noch den ganzen Comer See entlang bis Mailand, dort wollten wir wieder auf die Autobahn um über Genua nach Savona zu fahren. Lange aufhalten war also nicht. Die Strecke entlang des Comer Sees zieht sich ganz schön und der Verkehr war ziemlich dicht. Natürlich war die Höchstgeschwindigkeit auf 90 km/h begrenzt, aber was solls. Danke an den entgegenkommenden Porschefahrer der uns per Licht- und Handzeichen auf die Radarkontrolle aufmerksam gemacht hat.
Langsam näherten wir uns Mailand. Tanken mussten wir auch und haben unsere Erfahrungen mit italienischen Automatentankstellen gemacht. Ausländische Kreditkarten werden nicht angenommen und so muß man sie mit Banknoten füttern. Wenn nicht der ganze vorab bezahlte Betrag in Form von Sprit in den Tank passt - Pech gehabt. Den Rest steckt sich der Betreiber lachend in die Tasche.
Vor Mailand mussten wir uns durch einen Stau schlängeln und haben dann endlich das heiß ersehnte Schild "Autostrada Genova" entdeckt. Also alle Mann in diese Richtung. Komisch, je weiter wir fuhren desto mehr Schilder "Autostrada" tauchten auf. Seltsam nur, daß diese in alle möglichen Richtungen zeigten. Wir folgten unbeirrt dem Schild, das am ehesten in unsere Fahrtrichtung wies und landeten mitten im Zentrum Mailands.
Gut, daß Klaus am Vormittag noch auf die Karte gezeigt und gesagt hatte: "Do, nach Mailand nei, solltet mer net fahre. Des ha i scho mal gmacht des hat mi Schtunden koschtet". Super Klaus! Warum bist Du eigentlich hinten gefahren?
Mailand hat eine äußerst praktische Verkehrsregelung die sich offensichtlich "rote Welle" nennt. Egal mit welchem Tempo man fährt, die, in ca. 300 m Abstand, auftauchenden Ampeln sind immer rot. Irgendwann, nach ungezählten roten Ampeln und "Autostrada" Schildern haben wir dann tatsächlich die Autobahn Richtung Genua gefunden. Mittlerweile war es halb sieben und es wurde dunkel.
Andreas kriegte mit einem Mal tierisch schlechte Laune und es war klar, daß er dringend etwas zu essen und einen Kaffee brauchte. Auf der Autobahnraststättte hat sich Andreas mit dem Nötigsten versorgt und der Rest hat diskutiert ob wir die Fähre noch kriegen oder nicht. Die Meinungen über die noch zurückzulegende Strecke gingen von 50 bis über 200 km so daß wir beschlossen einfach so schnell es ging weiterzufahren. Klaus musste vorne fahren, er hat das langsamste Mopped.
Die Strecke von Mailand Richtung Genua ist stinklangweilig. Von Genua Richtung Savona wirds dann etwas anspruchsvoller, viele Tunnels, viele Kurven und kräftiger Seitenwind. Ziemlich geschafft kamen wir gegen 21 Uhr im Fährhafen von Savona an. Da die Fähre noch gar nicht da war, haben wir uns ein paar Bier gegönnt und sind dann gegen halb elf mit den Moppeds auf die Fähre.
Beim Abladen des Gepäcks fing Klaus plötzlich das fluchen an. Er schaute hoch und sein rechtes Brillenglas war im Eimer.

Sproing


Klaus hatte sich beim Abladen einmal an der Bordwand der Fähre abgestützt. Nun sind die Laderäume der Fähren ja nicht grade klinisch rein und Klaus hatte ordentlich Schmiere an den Fingern. Beim Abpopeln des Gummistrapses am Gepäck flutschte ihm der aus der Hand und das Ende mit dem Haken hat ihn genau aufs Auge getroffen. Ohne Brille wäre das wohl in selbiges gegangen.
Als Ebse Klaus fluchen hörte hat er alles fallenlassen und ist ihm zur Hilfe geeilt. Andreas hat sich noch gewundert warum Ebses Schlafsack beim Fallenlassen so ein trockenes KNACK-Geräusch von sich gegeben hatte. Als Ebse nachher seinen Schlafsack auspackte wurde die größte Katatstrophe des Tages erst sichtbar. Die Literflasche mit dem guten selbstgebrannten Zwetschgenwasser war zerbrochen und der Schnaps hatte sich in Ebses Schlafsack entleert.
Schei..., kein Gutenachttrunk.
Wir haben unsere Kabinen bezogen und anschließend im Bordrestaurant etwas gegessen. Von der "super freundlichen" Bedienung haben wir leider kein Bild, aber Ihr könnt sich Euch in etwa so vorstellen:

Nach dem Essen haben wir uns in der Bar auf Deck noch ordentlich einen gegönnt und sind dann ab in die Kabinen.
Ende des ersten Tages:


Die Fähre hat uns leise schaukelnd nach Bastia gebracht und wir wurden Montag früh um 6 von markerschütternder Blasmusik geweckt. Wahrscheinlich dachte der Käptn er sei auf dem ZDF-Traumschiff und ließ uns zum Einlaufen den Marsch blasen. Wir haben unser Geraffel zusammengesammelt und sind gegen 8 von der Fähre gerollt. Auf Richtung Norden ums Cap Corse, aber erst mal frühstücken.
In einem kleinen Bistro haben wir den gesamten Croissant-Bestand vernichtet, da der Wirt aber offensichtlich eher von der geschäftstüchtigen Sorte war hat er gleich einen Sack voll Backwaren vom Bäcker nachliefern lassen. Frisch gestärkt haben wir uns auf den Weg nach Norden gemacht.
Wer noch nie auf korsischen Straßen unterwegs war hat dann erst mal große Augen gemacht. Es geht wirklich kaum einen Meter geradeaus außerdem sind die Straßen teilweise in einem erbärmlichen Zustand: tiefe Schlaglöcher, jede Menge Kies und Schotter auf der Straße und zusätzlich einige Diesel- oder Ölspuren.
Hier einige Bilder von unserem ersten Zwischenstopp:



Als wir wieder losfahren wollten sagte Klaus "ja wo isch denn mein Moppedschlüssel?". Der Klassiker schlechthin. Wir haben gut 15 Minuten nach dem Schlüssel gesucht bis Klaus sagte "Ah, da isch 'r jo" und den Schlüssel aus einer der ungezählten Taschen seiner Kombi zog. Wir haben eine richtig schöne Tour um das Cap Corse gemacht und Mittags in St. Florent in einem Restaurant am Hafen ausgiebig gegessen. Matze und Holger sind los um Draht zu besorgen damit wir die gebrochene Fußraste an der Triple flicken konnten. Als das alles erledigt war wurde es auch schon Zeit einen Campingplatz zu suchen. In Ile-Rousse haben wir einen gefunden und als wir anfingen die Zelte aufzustellen begann es leicht zu regnen. Der Regen war zum Glück nicht von langer Dauer, als Ebse und Klaus von der Abendesseneinkaufstour zurückkamen wurde es wieder trocken.
Ebse hat versucht seinen Schlafsack vom Schnaps zu trocknen, im Regen war das vielleicht keine so gute Idee.